Lebenslanges Lernen

Praxistipps für Wissensmanagement in der Steuerberatung

Man lernt nie aus. Was als geflügeltes Wort bekannt ist, gilt in der heutigen Arbeitswelt umso mehr. Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel sorgen dafür, dass sich die Arbeitsplätze, die Aufgaben, eingesetzten Technologien und damit auch die Anforderungen an Arbeitnehmer ständig ändern. Das gilt besonders auch in der Branche der Steuerberatung, hat sie doch als Dienstleister vor allem Wissen zu verkaufen. Doch was bedeutet das konkret?

Lernkultur und Wissensmanagement spielen in Kanzleien eine große Rolle. Sie bilden die Basis für eine langfristige Leistungsfähigkeit. Allein im Bereich der Steuern gibt es jährlich zahlreiche gesetzliche Änderungen, sodass Fachliteratur und Weiterbildungen unerlässlich sind. Das so erworbene Wissen muss allerdings auch genutzt und weitergetragen werden. Kluge Konzepte zum Austausch unter den Mitarbeitern sowie dem Sammeln und Zugänglichmachen von Wissen sind essenziell geworden. Die Palette der Maßnahmen reicht dabei von regelmäßigen Teammeetings über digitale Wissensplattformen bis zu spielerischen Lernansätzen.

Lernkultur in der Praxis

In unserer Pilotkanzlei hat sich das Konzept der Lernpatenschaft bewährt. Mitarbeiter, die Spezialisten für bestimmte Themen sind, geben dieses Wissen an andere weiter und stehen ihnen als Coach zur Seite. Mit konkreten Aufgaben oder Fällen versehen tauchen die Lernenden in das Thema ein und erarbeiten sich selbst neue Einblicke. Dazu macht die Kanzlei regelmäßige Kompetenzabfragen und deckt so Wissensinseln und Wissenslücken auf. Gleichzeitig legt sie Wert auf breiten Austausch. In der wöchentlich stattfindenden Buchhaltungswerkstatt werden besuchte Seminare ausgewertet und aktuelle Neuerungen oder in der Praxis aufgetretene Fragen besprochen. So können alle etwas beitragen und vom gemeinschaftlichen Wissensschatz profitieren.

Fehlerkultur für Wissenszuwachs

Eng verbunden mit der Lernkultur ist auch die Fehlerkultur. Fehler passieren in jedem Unternehmen, jedoch werden sie nicht immer als Anlass zum Lernen genutzt. Dabei zeigen sie konkret auf, wo Wissenslücken bestehen. Sie sind der ideale Ausgangspunkt für einen Wissenszuwachs und verankern oft das Gelernte nachhaltig im Gedächtnis. Das funktioniert natürlich nur, wenn in der Kanzlei eine entsprechende Fehlerkultur gepflegt wird. Wer Angst hat, Fehler zuzugeben und diese lieber vertuscht, kann auch nicht daraus lernen.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass eine funktionierende Lern- und Wissenskultur einen wichtigen Erfolgsfaktor für Steuerberater, aber auch für andere Branchen darstellt. Lebenslanges Lernen muss zur Grundtugend heutiger Arbeitnehmer werden, um den veränderlichen Anforderungen der Arbeitswelt zu begegnen.

Mehr Tipps zu moderner Kanzleikultur finden Sie im Buch “Go digital: Neues Denken in der Kanzleiführung“ von Ines Scholz.