Aus der Krise für die Steuerberatung der Zukunft lernen

Ein Buch über den Steuerberater als Krisenmanager und seine Lösung Cheftresor®

„Chancen erkennen, darum geht es in der Krise!“ Darüber sind sich die fünf Autorinnen und Autoren des in diesen Tagen im Schäffer-Poeschel Verlag erscheinenden Buches „Der Steuerberater als Krisenmanager: Unternehmen zukunftsorientiert begleiten“ einig. Initiatorin für die Zusammenarbeit war die Zwickauer Steuerberaterin Ines Scholz, die ihr Kanzleiteam und sich selbst schon lange vor allem als Unternehmensbegleiter sieht.

Ihr ist es wichtig, Mandanten auch in schwierigen Zeiten Lösungen aufzuzeigen und ihnen jederzeit einen transparenten Überblick zu deren wirtschaftlicher Situation zu bieten. Nur so können Unternehmer selbstbestimmt handeln und Entscheidungen treffen. „Die Zeiten, in denen wir Steuerberater nur für die Verwaltung der Daten zuständig waren, sind vorbei. Wir benötigen eine Plattform, auf der Unternehmer und Berater zeitgemäß und auf Augenhöhe zusammenarbeiten können“, beschreibt Ines Scholz Ihre Vision. Das Ergebnis dieser Überlegung heißt Cheftresor®. Der digitale Business-Tracker ist seit diesem Jahr auch für andere Kanzleien zu haben und soll unter anderem den Beratungsfokus sowie das digitale Serviceangebot in der Steuerberatung stärken.

Beide Themen stehen auch im eingangs erwähnten Buch im Vordergrund, denn sie sind Chancen, die sich aus den Auswirkungen der Corona-Pandemie ergeben haben. Neben Ines Scholz beleuchten Steuerberaterin Steffi Köchy-Gellfart, Inhaberin einer Kanzlei in Halberstadt, und Steuerberater Martin Klumpp, Partner und Geschäftsführer einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Singen am Bodensee, diese Entwicklung der Branche aus ihrer ganz eigenen Sicht. Dabei fragen sie sich: Was macht ein Unternehmen stärker und geht auch ein bisschen Digitalisierung? Die Krise ist… „Eine Chance. Punkt“, meint Paul Liese, Compliance-Software-Spezialist mit Schwerpunkt auf Verfahrensdokumentation aus Hamburg. Gemeinsam mit Daniel Terwersche, Innovations-Coach für Steuerberater rundet er das Autoren-Quintett ab.

Schon die Beschreibung macht deutlich, dass diese fünf Menschen ganz unterschiedlich auf die letzten Wochen und Monate blicken. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Wann wenn nicht jetzt ist die Zeit für eine Zeitenwende in der Steuerberatung gekommen! Im nachstehenden Interview berichten sie, was der Lockdown mit ihnen persönlich und mit ihrem Unternehmen gemacht hat, wie sie durch diese Krise kommen und was sie mitnehmen aus dieser Zeit.

 

Was bedeutet Corona für dich persönlich?

Paul Liese: Eine Chance. Punkt. Ich bin nicht so der Typ, der negativ denkt und sich allzu viel Gedanken darüber macht, was wäre wenn. Ich frage mich stattdessen wie löse ich diese Situation? Welchen Vorteil kann ich mir daraus erarbeiten, welche neuen Möglichkeiten ergeben sich daraus? Darüber denke ich dann nach, dass aber auch nicht lange, dann geht's ans Machen.

Daniel Terwersche: Also für mich persönlich bedeutet Corona eine Rückbesinnung... Davor hatte ich das Gefühl, dass so ein Overkill stattgefunden hat. Durch Corona – oder dank Corona – habe ich das Gefühl, dass es wieder um das Wesentliche geht. Sowohl im Privaten, wo man sich wieder mehr auf Familie besinnt oder auch Freunde, weil man Verzicht üben musste. Für mich persönlich ist es eine sehr wertvolle Zeit.

Steffi Köchy-Gellfart: Nun für mich ist es erstmal sehr viel Veränderung, sehr viel Herausforderung gewesen. Wobei ich es sehr spannend finde, mich mit diesen ganzen neuen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Was ist mein eigener Standpunkt in dieser Flut von Informationen? Damit habe ich mich viel auseinandergesetzt. Persönlich habe ich mich nicht so betroffen gefühlt, ich hatte kein Problem mit der Kinderbetreuung, lebe auf dem Land. Daher habe ich mich viel mit den beruflichen Chancen beschäftigt.

Ines Scholz: Für mich bedeutet es ein Stück Einbuße persönlicher Freiheit – das habe ich als extrem empfunden. Zum einen wollte ich mich gut um meine Familie, aber auch um meine Mitarbeiter und Mandanten kümmern. Auf der anderen Seite habe ich schnell gemerkt, dass sich auch meine Mitarbeiter der Verantwortung auf ihren Arbeitsplätzen bewusst waren. Letzten Endes sind wir als Mannschaft eher zusammengewachsen.

Martin Klumpp: Ich habe es ebenfalls als seltsam empfunden, dass wir als Gesellschaft plötzlich die Gesundheit über die Freiheit stellen. Ich habe viel darüber nachgedacht und mir persönlich ist klar geworden, dass für mich das höchste Gut, welches der Staat in dem ich lebe, mir bereitstellen sollte, die Freiheit ist. Denn die Gesundheit kann er mir nicht garantieren, das muss jeder Einzelne tun im Bereich der Eigenverantwortung.


Inwiefern hat sich eure Haltung in dieser Zeit verändert? Gab es einen Entwicklungsprozess?

Ines Scholz: Da bin ich ein Stück weit bei dir, Martin. Auch meine erste Reaktion Mitte März war: Rebellion! Mein Leben lief noch ganz normal, als die meisten anderen schon drei Tage Auszeit hatten. Dann kam die Vollbremsung. So richtig verstanden habe ich es erst, als mein Sohn sagte, dass er die letzte Vorabitur-Prüfung nicht schreiben kann. Diese Verunsicherung hat schon – keine Ahnung – vielleicht 72 Stunden angedauert…(lacht)

Steffi Köchy-Gellfart: Anfangs stand vor allem die Frage, wie organisiere ich mich jetzt neu, wie setze ich mich mit diesen ganzen Themen auseinander – und auch so ein bisschen der Gedanke: Schaffe ich das alles?! Was uns als Steuerberater unheimlich beschäftigt hat, waren all die Soforthilfen. Meine Idee: Du könntest das als Webinar anbieten, dann können möglichst viele teilnehmen und wir können unsere Mandanten dazu befähigen, die Anträge selbst auszufüllen. Chancen erkennen, darum geht es in so einer Krise.

Martin Klumpp: Ich hatte von Anfang an ein Störgefühl und habe mich gefragt, was stört mich bei diesem Lockdown? Zudem habe ich mich gefragt, was das beruflich für mein Unternehmen heißt. Wir sind in unserer Kanzlei drei Inhaber. Wir haben nach wenigen Tagen ganz klassisch eine Risikoabschätzung vorgenommen: Wir sind unsere Kunden durchgegangen und haben gefragt: Überlebt? Überlebt nicht? Mit diesem Herangehen haben wir zum einen ein Gefühl dafür entwickelt, zu verstehen was da draußen passiert und wir konnten abschätzen, wie weit uns das alles auch in Zukunft als Unternehmer vielleicht negativ beeinflussen wird.

Ines Scholz: Unter dem Strich hatten wir als Steuerberater einen Monsterjob in dieser Zeit! Wir mussten uns durch all diese Dinge durcharbeiten und unsere Mandanten begleiten. Dabei habe ich aber von Anfang an auch gedacht, dass es spannend ist, dass Geld auf einmal gar keine Rolle mehr zu spielen scheint. Letzten Endes war schnell klar, dass uns das nicht nur wenige Tage und Wochen begleiten wird, sondern dass es darum gehen muss, die Weichen zu stellen. In dieser merkwürdigen und besonderen Zeit entstand dann auch relativ zügig – und vielleicht auch ein wenig dem Zufall geschuldet – die Idee für dieses Buch. Aus einem Gedankenaustausch in meinem Netzwerk mit anderen Kollegen, spannenden Menschen.

 

Spannenden Menschen wie deiner Mitautorin und deinen Mitautoren...

Ines Scholz: Ja. Das würde ich schon als ein Geschenk der Corona-Krise bezeichnen. Festzustellen, dass man nicht immer miteinander an einem Tisch sitzen muss, dass ich mich auch so substanziell austauschen kann mit diesen spannenden Menschen, die ich im Laufe meines Lebens kennengelernt habe. Das Schöne daran ist, dass du auch den Wert von Beziehung nochmal neu definierst. Es bekommt alles eine andere Tiefe. So war es für mich auch ein Geschenk, wie unsere Mandanten mit unseren Mitarbeitern umgegangen sind. Da war sehr viel Wertschätzung im Raum – das war jeden Tag zu spüren. Denn es ist eben nicht selbstverständlich, dass du Auskunft geben kannst über Dinge, die die Regierung erst 12 Stunden vorher auf den Weg gebracht hat.

 

Wie lief es denn bei dir in den ersten Wochen, Daniel? Deine Kunden sind schließlich Steuerberater?

Daniel Terwersche: Anfangs waren wir im klassischen Krisenmodus: Fassungslosigkeit und Panik. Das ging so zwei, drei Wochen, obwohl das total irrational ist, denn was machen wir eigentlich als Kanzleistrategen? Wir coachen Kanzleien, digitaler zu werden. Also wenn man das jetzt nicht braucht, wann dann?! Aber dann haben wir die Perspektive geändert. Wir haben überlegt, was brauchen Steuerberater jetzt? Wie können wir sie befähigen, dass sie ihren eigenen Mandanten einen Mehrwert bieten? Ab dem Zeitpunkt haben wir stark aufgedreht, im Positiven. Naja, und dann kam da noch so ein Typ mit einer Softwarelösung um die Ecke…

Paul Liese: Nee, nee, nee… so lief das nicht (lacht).

Daniel Terwersche: Ich war ja noch gar nicht fertig! Also, ich habe ja eine Facebook-Gruppe mit über 2.000 Steuerberatern und auch da liefen natürlich heiße Diskussionen. Unter anderem ging es um die BAFA-Beratung und da schrieb Paul, dass man das alles auch automatisch mit seiner Softwarelösung beantragen kann. Daraufhin gab es so viele Anfragen dazu, dass wir gemeinsam beschlossen haben, ein Webinar anzubieten und ein softwaregeführtes Beratungsprodukt aus dem Boden zu stampfen. Und wenn man so will: In den ersten zwei Corona-Wochen hatten wir null Euro Umsatz und drei Wochen danach hatten wir unseren Rekordumsatz. Weil wir die Sichtweise verändert haben, weil wir unseren Kunden in einer unsicheren Zeit ein Schritt-für-Schritt-System an die Hand gegeben haben, wie sie diese Situation nutzen können.

Martin Klumpp: „Die Krise als Chance“ – ich muss ehrlich sagen, dass ich mit diesem Schlagwort so meine Probleme habe. Wobei ich eine Kernaussage teile: Gute Unternehmen machen eines: Sie stellen sich permanent in Frage. Und was heißt Corona? Es ist im Grunde genommen nur das Stichwort dafür, dass sich die Spielregeln verändert haben. Die wirtschaftlichen Spielregeln haben sich verändert. Auch die gesetzlichen Spielregeln verändern sich gerade mit einer hohen Dynamik. Und mit dieser Veränderung haben wir die Aufgabe, noch intensiver und in noch kürzeren Zeitintervallen zu hinterfragen, welchen Nutzen wir bei unseren Kunden stiften. Die Pandemie hat also aus meiner Sicht nicht die grundsätzliche Aufgabe neu gestellt, sondern einfach nur die Intensität und die Geschwindigkeit.

 

Martin, wie gehst du denn konkret mit deinem Unternehmen durch die Krise?

Martin Klumpp: Wir hatten letztes Jahr ein sehr, sehr gutes Jahr, auch weil wir die letzten Jahre extrem viel am statt nur im Unternehmen gearbeitet haben. Jetzt stellen wir Ende Mai, Mitte Juni fest, dass wir über Vorjahr liegen und das in dieser Zeit. Wir verstehen es noch nicht ganz, beobachten es fast argwöhnisch und sind im Moment dabei auf Sicht zu fahren. Was wir aber festgestellt haben und das hatte ja auch Daniel gesagt: Die ersten zwei Wochen stand alles still, null Umsatz. Doch ab der dritten, vierten Woche kamen plötzlich wieder Neukunden. Viele Unternehmen merken jetzt, wie schlecht sie in der Vergangenheit betreut waren. Das bestätigt uns in unserem Tun, weil wir schon seit langem auf echte Beratung der Unternehmen setzen – das klassische Steuerberatungsgeschäft macht bei uns nur 40 bis 50 Prozent des jährlichen Umsatzes aus. Die anderen 50 Prozent sind schon Projekte und Beratungen, Umstrukturierungen, Strategieentwicklung, IT-Projekte – wir sind seit 1998 digital unterwegs.

Ines Scholz: Wir versuchen die Dinge sehr straight anzugehen und unsere Aufgaben zu lösen. Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde zu sagen, dass diese Pandemie und ihre Auswirkung die ganz große neue Chance ist – es ist vielmehr eine Chance sich zu beweisen. Wir wollen unseren Mandanten helfen und ihnen Unterstützung geben soweit das geht, sind uns aber auch vollständig darüber bewusst, dass wir nicht alles aufhalten werden. Es geht auch darum, die Zahlen kritisch zu begleiten und mit dem Unternehmer Dinge anzusprechen, die sonst vielleicht niemand anspricht. Wir haben früher mit dem Untertitel gearbeitet „Wir begleiten unsere Mandanten beim Erfolg“ – ich glaube aber wir müssen gerade jetzt auch für die schlechteren Tage und Neuaufstellungen da sein.

Steffi Köchy-Gellfart: Ein schlimmes Bild war und ist für mich dieser Ärmelschoner-Steuerberater. Die Krise als Beschleuniger – diese Überschrift finde ich schon passend. In meiner Kanzlei war zum Beispiel der Jahresabschluss immer so eine Baustelle, die wir stärker digitalisieren wollten. Und das haben wir Anfang März jetzt einfach umgesetzt. Innerhalb von 14 Tagen war das Ding komplett digital. Zu normalen Zeiten hätten wir mit Sicherheit mindestens ein Viertel Jahr dafür gebraucht. Aber es gab auf einmal keine Widerstände mehr, ob das auf Seiten der Mitarbeiter war, die alle im Home Office waren und natürlich trotzdem ihre Jahresabschlüsse bearbeiten wollten, oder eben auch auf Seiten der Mandanten, mit denen ich jetzt per Videokonferenz den Jahresabschluss bespreche. Das sind auch für uns Veränderungen, die man sich so im letzten Jahr noch nicht hätte vorstellen können.

Daniel Terwersche: Ja, die Digitalisierung kam jetzt mit dem Holzhammer. Der Digitalverband Bitcom hat festgestellt, dass die ersten beiden Monate der Ausgangssperren die Digitalisierung in Deutschland über zwei Jahre nach vorne gebracht hat. Wer jetzt – auch in der Steuerberaterbranche – immer noch nicht verstanden hat, wie wichtig Digitalisierung ist, der sollte den Beruf wechseln.

Paul Liese: Ich glaube aber, für unsere Kunden hat sich etwas geändert, Daniel. Die akzeptieren auf einmal das Thema Online. Auf einmal ist es das Normalste der Welt über Onlinemeetings schnell und effizient miteinander zu kommunizieren. Es gibt eine ganz andere Akzeptanz. Mein Unternehmen selbst ist nicht betroffen. Aber wir haben viele Unternehmen und Mandanten, die sich in der Krise wähnen, um es einmal so auszudrücken. Und ich versuche meinen Kunden zu helfen, andere Perspektiven auf die Situation zu gewinnen und zu zeigen, dass mit wir mit digitalen Werkzeugen viele Themen effizienter lösen können. Wenn bei uns im Hamburger Hafen irgendwann mal wieder die Queen Mary liegt, die braucht sechs Schlepper, um sich zu drehen. Wer so langsam unterwegs ist, wird nie schnell reagieren können.

Martin Klumpp: Aus der Wissenschaft weiß man, dass Rezessionen immer zu einer Beschleunigung der Automatisierung und damit auch der Digitalisierung führen. Ich glaube, auf Unternehmer, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, die sehr stark digital unterwegs sind, kommen interessante Zeiten zu. Denn es entsteht gerade ein unglaublicher Kostendruck im Mittelstand. Für einen Teil der Berater wird das alles also hoch spannend, hoch interessant werden. Und die, die sich dem verschließen, werden Probleme haben.

Ines Scholz: Ich stimme dir zu, Martin. Die Wirtschaft wird durch die Krise in Richtung Digitalisierung beschleunigt. Trotz alledem sollten wir dabei aber sehr aufpassen. Denn Digitalisierung hat auch schon in der Vergangenheit nur dann funktioniert, wenn wir die Menschen mitnehmen. Wenn Digitalisierung schlecht gemacht ist, verschwendet sie Ressourcen und verbrennt Menschen. Ich wünsche mir dort eine andere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit auch seitens der Führungskräfte. Das Beispiel Home Schooling zeigt aus meiner Sicht sehr anschaulich, wie unterschiedlich der Umgang mit digitalen Konzepten ist. Was mir persönlich bei alldem ein bisschen Angst macht: Bis vor kurzem war Datenschutz das Thema und jetzt habe ich manchmal das Gefühl, Datenschutz spielt keine große Rolle mehr. Aber wir reden immer noch über vertrauliche Daten und es gibt immer noch Dinge, die schützenswert sind. Wir sollten nicht alle unsere Maßstäbe aufgeben und Digitalisierung zur absoluten Manie erklären. Als Unternehmer sollten wir Entscheidungen treffen können, die zur eigenen Firmenkultur passen.

 

Nochmal kurz und knackig: Welchen Rat möchtet ihr mit auf den Weg geben? Aber bitte jeder nur einen!

Steffi Köchy-Gellfart: Für mich ist es wichtig, bei sich selbst zu bleiben. Sich unabhängig von den ganzen steuerlichen Themen immer wieder neue Anregungen zu holen und den Blick in die Zukunft zu richten. Die Perspektive zu wechseln, das finde ich persönlich am wichtigsten in dieser ganzen Situation.

Daniel Terwersche: Wichtig aus meiner Sicht: Die Vergangenheit als Ausrede zählt nicht mehr.

Paul Liese: War das eine Ausrede?!

Daniel Terwersche: Ja, finde ich schon. Sätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht“. Doch jetzt ist genau die Zeit, alles neu zu überdenken und nicht mehr nur auf die Vergangenheit abzustellen. Das zählt aus meiner Sicht nicht mehr. Man muss eine ganz andere Perspektive einnehmen.


Paul Liese:
Mein wichtigster Rat ist, auch wenn das vielleicht abgedroschen klingt, Stillstand ist Rückstand. Als Unternehmer sollte man grundsätzlich immer alles hinterfragen. Denn durch Corona sind jetzt viele von außen gezwungen sich zu hinterfragen. Das könnte vielleicht auch eine neue Kreativtechnik sein… Was würde ich tun, wenn wieder eine Pandemie eintreten würde? Das ist eigentlich eine gute Frage, die sich jeder Unternehmer jeden Tag stellen sollte.

Ines Scholz: Ins Handeln kommen nach deinen eigenen Werten und Überzeugungen und nach deinen eigenen Prioritäten – das ist mein wichtigster Rat. Aus der Starre heraus ein Handeln zu initiieren, das den Mitarbeitern das starke Signal gibt, dass der Arbeitgeber gut aufgestellt ist und einen Wertekontext lebt, aber auch den Kunden einen echten Nutzen bietet.

Martin Klumpp: Meine Empfehlung ist sich regelmäßig aus dem Alltag herauszunehmen, sich mit kritischen Geistern an einen schönen Ort zu setzen und zu diskutieren, wie sieht die Zukunft in drei oder vier Jahren aus. Dabei kreativ herangehen und gerade nicht die Leute mitnehmen, die derselben Meinung sind wie du, sondern kontrovers diskutieren.

 

Wo wollt ihr beruflich und persönlich sein im Jahr 2025?

Steffi Köchy-Gellfart: Unser Ziel als Unternehmen steht: 2022 wollen wir eine komplett digitale Kanzlei sein. Ich möchte mich komplett auf das Thema Beratung konzentrieren und nicht auf solche Nebenkriegsschauplätze wie das Scannen von Belegen.

Daniel Terwersche: Also bei mir ist das ein bisschen visionär geprägt: Ich möchte gern mit 1.000 Unternehmern und Beratern gemeinsam das Unternehmertum feiern. Veränderungen mit Leichtigkeit und positiver Energie. Wir haben in der Branche eine gute Ausgangssituation, tun uns aber immer so schwer mit Nichtigkeiten. Eigentlich haben wir so viele Gestaltungsmöglichkeiten, diese Offenheit zur Änderung möchte ich gern mit nach vorn tragen.

Paul Liese: Ich sehe unser Unternehmen und das gesamte Team mit mehr persönlichem Freiraum ausgestattet durch die zunehmende Digitalisierung, um Zeit für das Wesentliche im Leben zu haben, nämlich Zeit für Menschen. Und nicht Zeit für irgendwelche Programmiersprachen oder anderes, dass zwar auch alles seine Daseinsberechtigung hat, aber letztlich doch nur Mittel zum Zweck ist. Wir möchten mit unserer Technologie möglichst einen Innovationsträger bereitstellen, der mehr Freiraum ermöglicht – sowohl für uns als auch für unsere Kunden.

Martin Klumpp: Ich glaube, dass wir uns als Unternehmen mit aktuell 35 Mitarbeitern nochmal verdoppeln werden. Wir müssen wieder mehr in die Eigenverantwortung der Menschen kommen und sie in die Lage versetzen, eigenverantwortlich zu arbeiten und zu denken. Ich glaube, dass es da eine Trendwende braucht. Rein persönlich habe ich durch Corona keine neuen Erkenntnisse gewonnen, außer dass mir nochmal klar wurde, Freiheit ist für mich das wichtigste Gut. Die Ausnahmesituation hat mir vieles nur nochmal bewusster gemacht.

Ines Scholz: Ich bin heute schon eine andere als ich vor sechs Monaten war. Ich finde, das ist ein positiver Prozess, der hoffentlich mein Leben lang anhalten wird. Das hat auch nichts damit zu tun, Unternehmerin zu sein, sondern viel mehr damit, dass Menschen mit Ecken und Kanten und anderen Überzeugungen den eigenen Horizont erweitern. Auch im Beruflichen sehe ich Veränderungen: Unser Wert als Dienstleister für unsere Mandanten ist noch einmal gestiegen. Deshalb freue ich mich auch, dass wir die digitale Zusammenarbeit über Cheftresor® jetzt effektiv nutzen und unsere Mandanten damit unterstützen können. Es geht aus meiner Sicht in der gesamten Gesellschaft jetzt darum, sich der Dinge bewusst zu werden, die für einen selbst von Wert sind. Mehr Geduld miteinander. Eine gewisse Entschleunigung, die wir uns behalten sollten. Das würde ich mir wünschen.

Nicht nur im Interview gehen diese fünf Unternehmerinnen und Unternehmer mit mutigen Thesen und neuen Ideen voran. Ihre Gedanken zur Zeitenwende in der Steuerberatung, zu neuen Aktionsfeldern und konkreten Ansatzpunkten während der Krise haben sie im Buch „Der Steuerberater als Krisenmanager“ zusammengetragen. Praxisnah beschrieben und mit Arbeitshilfen und Literaturtipps versehen, ist es eine klare Empfehlung für jeden Steuerberater – eine Chance auf Entwicklung.

Neugierig geworden? Hier geht’s zum Buch: https://shop.schaeffer-poeschel.de/prod/der-steuerberater-als-krisenmanager

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