Stichwort Arbeitszeitgestaltung: Team-Spirit und Freiheit zusammendenken

Fest vorgeschriebene Arbeitszeiten sind oft nicht mehr zwingend – Home Office für alle als Lösung?

Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so.
Epiktet

Rein technisch wäre es spätestens seit der Home-Office-Offensive durch Corona in vielen Unternehmen kein Problem, dass verlässliche Mitarbeiter komplett von zuhause arbeiten oder die Wintermonate auf den Kanaren verbringen. Doch ist das wirklich wünschenswert und sinnvoll? Es gibt einen goldenen Mittelweg zwischen maximaler Freiheit und Stechuhr. Das sind gerade in kleineren und mittelständischen Unternehmen individuelle Arbeitszeitmodelle. 

Führen Sie beispielsweise einen gemeinsamen digitalen Kalender, um zu wissen, wer wann da ist. Um private Termine wie Arztbesuche oder Familienzeit flexibel koordinieren zu können, bietet sich die Möglichkeit einer Arbeitszeitverschiebung von beispielsweise wöchentlich vier Stunden an. Jeder Mitarbeiter trägt in den Kalender ein, wann sie oder er die eigene Arbeitszeit verschieben möchte. Eine Begründung oder Rechtfertigung braucht es nicht, dafür aber die Angabe, wann diese Zeit nachgearbeitet wird. 

Home Office für alle hingegen ist ein zweischneidiges Schwert. Warum? Laut wissenschaftlichen Studien sind nur 20 Prozent der Menschen tatsächlich in der Lage, sich selbst gut zu strukturieren und effizient zu organisieren. Das zeigen nicht zuletzt erste Ergebnisse einer Studie Chemnitzer Arbeitswissenschaftler der TU Chemnitz, die die Auswirkungen des coronabedingten Home Office  untersucht hat (Link: www.tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/owpsy/professur.php). Der überwiegende Teil der Arbeitnehmer braucht vorgegebene Routinen und eine Arbeitsumgebung, die gewisse Leitlinien aufstellt. Wie sich das in der Arbeitswelt der Zukunft gestalten wird, ist schwer absehbar, Veränderungen aber vorprogrammiert. 

Eine Möglichkeit ist ein System der Vertrauensstufen. Bevor ein Mitarbeiter Freiheiten erhält, braucht es eine gemeinsame Linie. Erst wenn sich jemand als Teil der Mannschaft bewiesen hat, die Standards im Unternehmen lebt und gemeinsame Prozesse mitträgt, werden Freiräume eingeräumt. Natürlich wird es zunehmend wichtiger, auf individuelle Wünsche der Mitarbeiter einzugehen. Dennoch sollte ein Grundsatz gelten: Mitarbeiter haben einen Arbeitsvertrag. Das bedeutet Rechte, aber auch eine Verpflichtung – vor allem gegenüber den Kunden des Unternehmens. Dieser Verpflichtung kommt man am besten als Team nach.
Fast noch wichtiger ist das Thema Mitarbeiterführung. Jemanden, der nicht oder nur selten da ist, kann man als Chefin oder Chef schlecht führen. Stattdessen wird der Mitarbeiter nur an finalen Arbeitsergebnissen gemessen. Damit wird aber ein großer Teil des Gesamtbildes ausgeblendet. Als Arbeitgeber kann es verlockend sein, sich dem Thema Führung durch maximale Freiheit bei der Arbeitszeitgestaltung zu entziehen. Stichwort Vertrauensarbeitszeit: Jeder kommt und geht, wie es ihr oder ihm beliebt. Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Doch viele Menschen können mit so viel Freiheit gar nicht so viel anfangen, wie es auf den ersten Blick scheint. Absolute Freiheit bedeutet auch schnell grenzenlose Überforderung. 

Quelle: Ines Scholz: Go digital: Neues Denken in der Kanzleiführung. Mit 48 Workhacks den Datenschatz heben

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